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Das Kreuz mit dem Kreuz(band)
 
November 2006 - es wären noch 3 Wochen gewesen bis zur Deutschen Meisterschaft im Allkampf und dann auch noch in Dillingen, Heimvorteil also. 5-mal Training in der Woche und das Wochenlang. Der Ehrgeiz in der Meisterschaft was zu reißen wuchs von Training zu Training und dann ist es passiert. Bei einem Taekwondo-Wettkampftraining am Freitagabend stieg mir im Eifer des Kampfes mein Trainingspartner auf den Fuß, in dem Moment als ich mich gerade zu einem Dora-Jopjacki (gedrehter Seitkick) drehte und auf einmal merkte ich ein starkes Stechen im Knie. Das war's dann erst mal mit dem Training, ab in die Dusche und nach Hause.

Am Tag danach war der Schmerz noch größer und ich fuhr vorsichtshalber in Krankenhaus nach Wertingen zur Untersuchung. In einer veranlassten Röntgenuntersuchung wurde erst einmal nichts festgestellt. Mir wurde eine Salbe verschrieben und ein erneuter Untersuchungstermin. Daheim angekommen zweifelte ich dann ein wenig an der Kompetenz des untersuchenden Arztes und machte gleich am Montag einen Termin beim Sportarzt Dr. Schmid in Gersthofen aus. Diesen bekam ich auch ziemlich schnell. Bei einer ersten Untersuchung diagnostizierte dieser dann eine Kreuzbanddehnung und überwies mich sicherheitshalber zu einer Kernspinuntersuchung. Es keimte die Hoffnung in mir, dass die Kreuzbanddehnung in 3 Wochen ausgeheilt ist und ich doch noch an der Deutschen Meisterschaft mitmachen kann.

In Augsburg und Donauwörth gab es dann die nächsten Monate keinen freien Termin zur Kernspinuntersuchung, also versuchte ich es in München und bekam dort auch in einer Woche einen Termin.

Die Woche über ging ich trotzdem weiter ins Allkampf-Training, auch wenn ich große Schmerzen hatte, aber der Reiz der Meisterschaft war einfach zu groß. Am Wochenende darauf ging es dann von Freitag bis Sonntag auch noch zum Allkampf-Lehrgang nach Dresden, doch es brachte nichts. Nach einer halben Stunde Training musste ich abbrechen, die Schmerzen waren einfach zu groß.

Am Montag hatte ich dann meinen Termin zur Kernspin und es kam wie es kommen musste. Der Radiologe erkannte bei den Aufnahmen eine "vollständige Ruptur des vorderen Kreuzbandes prximal", also einen Kreuzbandriss.

Das vordere Kreuzband ist ein ca. 2 cm langes und kleinfingerdickes Faserbündel, das im Knie zwischen Oberschenkel und Schienbeinkopf verläuft. Zusammen mit dem hinteren Kreuzband ist das vordere Kreuzband die zentrale Struktur des Bandapparates als Stabilisator für das Kniegelenk. Ein stabiles vorderes Kreuzband ist die Voraussetzung für die ungestörte Gelenkbewegung.

Somit hatte sich auf einmal das Thema Deutsche Meisterschaft erledigt. Die Gefahr mit einem instabilen Knie sich auch noch weitere Verletzungen zu holen, war einfach zu groß für einen Hobbysportler.

Die Enttäuschung war natürlich riesen groß und man konnte daran leider nichts mehr ändern. Man musste den Tatsachen ins Auge schauen und diese hieß Operation. Dr. Schmid empfahl mir den Sportarzt Dr. Pesch, der auch bereits Fussballer des FC Augsburg operiert hatte und eine spezielle OP-Methode verwendet. Ich erhielt dann auch einen OP-Termin für den 21.12.2006. Ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Zur Vorbereitung auf die OP erhielt ich ein Rezept für 6 Krankengymnastik-Behandlungen, die ich bei Krankengymnastik Baumann in Wertingen absolvierte. Diese dienten zum Muskelaufbau vor der OP. Nach der OP wird die Muskulatur des operierten Beines rapide abbauen und durch den vorzeitigen Muskelaufbau kann man hier ein wenig entgegenwirken. Zudem zeigen Statistiken, dass die Heilung dadurch besser und schneller erfolgt.

Am 21.12. fand dann die OP im Vincentinum in Augsburg statt. Dr. Pesch hatte hier Belegbetten und ich verbrachte hier 4 Tage.

Die Operation selbst wurde unter Vollnarkose folgendermaßen durchgeführt: Bei der Ersatzoperation wurde das zerrissene Kreuzband, das in der Regel nicht mehr hergestellt werden kann, komplett entfernt und anschließend durch eine körpereigene Muskelsehne, vom gleichen Bein, ersetzt. Die Technik der Oberschenkelsehe hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt, vor allem bei Sportlern. Neben der hohen Festigkeit der Oberschenkelsehnen, die in der Regel 4-fach verwendet werden, macht die Entnahmestelle deutlich weniger Probleme.

Zunächst wurde unter der Narkose eine erneute Untersuchung des Kniegelenkes durchgeführt und nochmals die Instabilität überprüft. Anschließend wurden dann die beiden OP-Zugänge der Arthroskopie, die entsprechenden Instrumente und die Kamera in mein linkes Kniegelenk eingeführt und nochmals überprüft.

Anschließen wurde dann über einen kleinen Schnitt am Schienbeinkopf die Sehne des Oberschenkels mittels eines speziellen Instrumentes in der Länge von bis zu 28 cm entnommen und anschließend so vernäht, dass ein ca. 8-10 cm langes und etwas 1 cm dickes Transplantat als Ersatzsehne für das gerissene vordere Kreuzband hergestellt werden konnte. Dieses wurde dann minimal-invasiv eingebracht und mit speziellen bio-resorbierbaren Implantaten (Schrauben, die sich innerhalb von 5 Jahren von selbst auflösen) in den eigens angelegten Knochenkanälen, die exakt dem Verlauf des zerstörten vorderen Kreuzbandes entsprechend, festgemacht.

An den ersten Tagen nach der OP musste ich mein Knie in Anleitung einer Pysiotherapheutin 8-10 mal am Tag aktiv bewegen, unter Anspannung der Oberschenkelmuskulatur. Zudem wurde es in einer Elektroschiene mehrmals automatisch bewegt.

 

Dazu musste ich mir selbst ca. 2 Wochen lang eine Thrombosespritze in den Bauch stechen um die Gefahr eines Blutgerinnsels zu vermeiden.

Für ca. 2 Wochen bekam ich dazu noch eine postoperative Schaumstoffschiene, die ich Tag und Nacht anlassen musste, um das Knie nicht zu belasten und zu schützen.

Nach ca. 14 Tagen bekam ich dann eine Gelenkschiene, mit der ich mein Knie max. 45 Grad bewegen konnte und die das Knie stabilisierte.

Zudem durfte ich mein Bein nur mit 20% belasten und musste mit Gehhilfen laufen. Nach 14 Tagen wurden dann die OP-Fäden entfernt.

In diesen 14 Tagen ging ich regelmäßig zur Krankengymnastik Baumann in Wertingen, die eine Lymphdrainasche  durchführten, um die Schwellung zu lindern und mit denen ich auch leichte Bewegungsübungen durchführte.

Insgesamt war ich 3 Wochen krank geschrieben, was eigentlich relativ wenig ist für einen Kreuzbandriss. In der Regel ist man damit ca. 6-9 Wochen krank geschrieben, beginnt aber in dieser Zeit meistens auch mit den ambulanten Rehamaßnahmen.

Und da kommen wir auch gleich zum Punkt. Die ambulante Reha wurde von meiner Krankenkasse BKK Mobil Oil abgelehnt und ich wurde an die BfA, die deutsche Rentenversicherung verwiesen. Vom Tag des Antrages, nach der Ablehnung der BKK, bis hin zum Antrag an die BfA vergingen Wochen und nach ca. 2 Monaten bekam ich dann eine Absage mit der Begründung "die Erwerbstätigkeit ist nicht beeinträchtigt.". Eine Frechheit wie auch mein Arzt Dr. Schmid meinte und somit habe ich auch wieder Einspruch erhoben, was wiederum Wochen dauerte.

3 Wochen nach der OP durfte ich dann auch wieder Auto fahren und ging wieder in die Arbeit. Die weitere Krankengymnastik und Physiotherapie-Maßnahmen machte ich ab diesem Zeitpunkt bei der Physiotherapie Röhrle in Welden, die ich schon von meinem Muskelfaserriss kannte und mit denen ich sehr gute Erfahrungen hatte.

Hier wurde ich perfekt betreut, bekam Reizstrom, Ultraschall-Behandlung, Eis bzw. später Fango, Massage bzw. Lymphdrainaschen  und konnte hier zudem noch sämtliche Geräte zur Stärkung des Beines und des Knies verwenden.

Ab der 12. Woche begann ich dann mit dem Rad fahren auf dem Ergometer und dem Joggen auf dem Laufband. Dazu wurde der Kraftaufbau mit 60 kg auf der Beinpresse weiter gesteigert.

Ab der 13. Woche (23. März) ging's dann richtig los. Zusammen mit der Physiotherapie wurde der Kraftaufbau der Beine massiv erhöht.

Beinpresse 80 kg. Dazu Koordinations- und Kräftigungsübungen auf dem Softpolster. Rad fahren mit Steigung, sowie 15 Minuten schnelles joggen auf dem Laufband. Das erste mal hatte ich nun richtig Muskelkater und das war auch gut so, denn nur genau so konnte man den Muskelaufbau wieder steigern.

In den nächsten Wochen machte ich dann auch kontinuierliche Fortschritte. Ich begann mit dem Joggen in der Natur, fuhr oft Fahrrad und machte täglich Kräftigungsübungen vor dem Fernseher.

Desto besser die Muskulatur wurde, desto besser wurde die Beweglichkeit und das Vertrauen in das eigene Knie. Trotzdem hatte ich auch weiterhin noch Probleme mit der vollständigen Streckung was wohl noch auf das Fehlen bestimmter Muskelgruppen zurückzuführen war. Auch bei der Beugung hatte ich noch Probleme. Besonders Bemerkbar machten sich die Defizite nach längerem Sitzen und in der Früh nach dem Aufstehen. Auch war der Umfang des Oberschenkels im linken Bein immer noch 6 cm weniger als im rechten Bein.

Im Mai steig ich dann langsam wieder ins Allkampf-Training ein und versuchte selbstständig mit kleinen Übungen wieder in meinen Rhythmus zu kommen. Doch leider gab es dann auch schon die ersten Rückschläge. Die Schmerzen im Knie wurden nicht besser und die Beweglichkeit fehlte in der Streckung und Beugung immer noch.

Die Rehamaßnahmen wurden nun auch im zweiten Anlauf nach dem Widerspruch von der Bfa abgelehnt mit der Begründung, dass die "Erwerbstätigkeit dadurch nicht verbessert werden könne".

Ich bekam also von meinem Arzt Dr. Schmied weiterhin Rezepte zur Physiotherapie, die ich weiterhin in Welden abhielt. Zusammen mit den Therapeuten arbeiten wir nun weiter gezielt an der Kräftigung des Knies und an der Koordination.

Anfang Juli (also knapp 7 Monate nach der OP) hatte ich dann endlich meine erste schmerzfreie Woche und auch die Beweglichkeit wird immer besser. Die ersten Taekwondo-Kicks gehen schon wieder : und mein Gefühl wird wieder positiver.

Mein Ziel ist es ab September wieder richtig ins Allkampf-/Taekwondo-Training einzusteigen und im Mai 2008 meinen 2. DAN zu machen. Ob mir dies gelingt ist fraglich und es ist auch fraglich wie das Kniegelenk unter Extrembelastung in Zukunft mitmacht, aber ich werde es versuchen, denn nach 18 Jahren Kampfsport kann man nicht so einfach damit aufhören.

Mein Tipp an alle, die einen Kreuzbandriß erleiden:

Kämpfe für Dein Ziel!

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